Chronologie der Handlung
"Tante" Gladys geht es nicht gut. Sie ist gebrechlich, benötigt neue Lebensenergie und zieht mit einem kleinen Bäumchen in einer Schale bei den Lillys ein, um dort Energie abzusaugen. Die dornigen Zweige dieses Baumes benutzt sie fortan für Schwarze Magie. Sie versetzt Alex‘ Eltern in einen willenlosen, katatonischen Zustand und ernährt sich mental von ihnen. Alex wird kontrolliert, indem Gladys damit droht, seine Eltern könnten sich selbst oder ihm etwas antun, was sie auch unter Beweis stellt. Alex soll weiter normal zur Schule gehen und sich um seine Eltern kümmern.
Gladys reicht die „Energie“ der Eltern jedoch bald nicht mehr. Sie verlangt von Alex, dass er ihr je einen persönlichen Gegenstand seiner 17 Mitschüler*innen bringt. Alex sammelt die Namensschilder seiner Klassenkamerad*innen ein. Lehrerin Justine bemerkt an diesem Tag, dass es Alex nicht gut geht, und bietet ihm an, mit ihr über das zu sprechen, was ihn belastet. Alex lehnt jedoch ab.
Gladys zerkleinert die Namensschilder und vermengt sie zu einer Art Suppe, in die sie einen Zweig des Bäumchens taucht. Um 2:17 Uhr nachts zerbricht sie den Zweig und zwingt so die Kinder, zu ihr zu kommen. Beim Weglaufen werden einige der Kinder von Hauskameras aufgezeichnet. Gladys verstaut die Kinder im Keller, und künftig muss Alex auch für diese sorgen.
Nachdem alle seine Klassenkamerad*innen verschwunden sind, wird Alex in einer Parallelklasse untergebracht. Justine wird indes beurlaubt und verfällt dem Alkohol.
Polizist Paul soll die Augen offen halten nach verdächtigen Personen. Er sieht, wie der Junkie James versucht, in ein Haus einzubrechen. Er verfolgt James und nimmt ihn fest. Dabei sticht er sich an einer Spritze in James‘ Hosentasche. Im Affekt schlägt er James zu Boden, weil er befürchtet, sich mit HIV oder Hepatitis infiziert haben zu können. Er denkt daran, dass die Autokamera seine Tat aufgezeichnet hat, und macht mit James den Deal, dass er ihn laufen lässt, wenn James nicht meldet, dass Paul ihn geschlagen hat.
Am Abend trifft sich Paul mit Justine in einer Bar. Justine überredet den trockenen Alkoholiker dazu, Alkohol zu trinken, und die beiden schlafen miteinander, wodurch Paul seine Frau betrügt, die mit ihm ein Kind haben möchte.
Justine sorgt sich sehr um Alex, weil er einen traurigen Eindruck macht. Sie beobachtet ihn heimlich und folgt ihm nach Hause, wo sie an der Tür klingelt, aber es öffnet niemand. Durch einen Spalt im Zeitungspapier der damit zugeklebten Fenster sieht sie Alex‘ Eltern regungslos auf dem Sofa sitzen. Sie teilt dies Schuldirektor Marcus mit.
Marcus beordert Alex‘ Eltern zu sich ins Büro, um sie zu befragen, jedoch erscheint nur Gladys und lässt die Eltern entschuldigen. Marcus erwähnt, dass er das Jugendamt verständigen müsse, wenn er nicht wisse, was im Haus der Lillys vor sich gehe. Gladys sagt, dass es Alex' Eltern nicht gut ginge, sie hätten einen Hauch von Schwindsucht. Sie stiehlt ein Schleifenband von Marcus.
Archer ist nach dem Verschwinden seines Sohnes Matthew nicht mehr richtig bei der Sache. Er verdächtigt Justine, etwas damit zu tun zu haben oder zumindest etwas Wichtiges zu wissen. An einem Tag bestellt er versehentlich die falsche Farbe für eines seiner Projekte. Er möchte die Farbe im Baumarkt austauschen, fährt aber vorher an Justines Haus vorbei und malt das Wort „Witch“ auf ihr Auto. Dann klopft er mehrmals und fährt davon.
Justine folgt Alex ein weiteres Mal nach Hause und spricht ihn an, doch er verhält sich ablehnend. Als Justine daraufhin in ihrem Auto beim Haus der Lillys einschläft, kommt Alex‘ Zombie-Mutter aus dem Haus und schneidet ihr eine Haarsträhne ab.
Paul spricht mit dem Polizeichef über das belastende Material auf der Kamera, weil er um seinen Job fürchtet. Der Chef beruhigt ihn und sagt, dass das Video binnen eines Monats überschrieben wird, solange niemand danach fragt. Es hängt nur davon ab, ob James sich an den Deal hält oder nicht.
James bricht auf der Suche nach Diebesgut in das Haus der Lillys ein, weil dies verlassen aussieht. Er findet dort die Kinder, hilft jedoch nicht. Er flieht, als Alex‘ Eltern ihn verfolgen.
Archer analysiert mit Hilfe eines fernen Turms die Laufrichtung seines Sohnes und später die eines anderen Kindes, die während des Verschwindens von Kameras aufgezeichnet wurden, und kreist ein bestimmtes Gebiet auf der Karte ein, zu dem beide Kinder gelaufen sind. Unterwegs in dieses Gebiet sieht er Justines Auto in eine Tankstelle einbiegen. Er folgt ihr und will sie zur Rede stellen.
Gladys fühlt sich von Marcus und Justine und deren Jugendamts-Plan zunehmend bedroht. Sie stattet Marcus und seinem Mann Terry einen Besuch ab und bittet um eine Schüssel mit Wasser. Sie nimmt einen Dornenzweig, der mit Marcus‘ Schleife umwickelt ist, schneidet Terry eine Strähne ab und führt das Ritual durch. Marcus ist unter ihrer Kontrolle, erbricht etwas wie schwarze Gallenflüssigkeit auf Terry und schlägt ihm den Schädel ein. Danach hetzt sie mit Justines Haarsträhne Marcus auf diese.
Marcus trifft auf Justine, als diese mit Archer an der Tankstelle steht. Archer hilft Justine, den Angriff abzuwehren. Bei der Verfolgung von Marcus sieht Archer, dass dieser von einem Auto erfasst wird und stirbt. Archer ist nun nicht mehr von der Mittäterschaft Justines überzeugt. Archer und Justine lassen ihre leichten Verletzungen im Krankenhaus behandeln und sprechen dort miteinander. Archer zeigt Justine seine Karte, auf der er die Laufwege der beiden Kinder eingezeichnet hat. Justine erkennt sofort, dass Alex‘ Haus in der Nähe des Schnittpunktes der Linien liegt.
Als James versucht, die Beute seiner Diebstähle in einem Pfandhaus zu Geld zu machen, fällt ihm auf, dass eine Belohnung auf Hinweise bezüglich des Verbleibs der Kinder ausgesetzt ist. Er tritt daraufhin mit der Polizei in Kontakt und nähert sich der Dienststelle, wo Paul ihn sieht und verfolgt. James flieht in den Wald und hat eine Vision von Gladys. Er zieht sich in sein Zelt zurück, bereit, Gladys mit mehreren Spritzen zu attackieren. Aufgegriffen wird er jedoch von Paul, dem er die Spritzen in die Wange rammt. Paul stellt und verhaftet ihn. James erzählt Paul von den verschwundenen Kindern im Haus der Lillys. Sie fahren beide zum Haus, und Paul geht hinein, während James im Polizeiwagen zurückbleibt.
Gladys teilt Alex mit, dass sie am nächsten Tag die Stadt verlassen würden, und lässt ihr Zimmer von Alex‘ Eltern bewachen, indem sie eine Salzlinie vor ihnen verstreut hat. Jeder, der diese Salzlinie übertritt, wird angegriffen.
Archer und Justine fahren zum Haus der Lillys, um dort zu ermitteln. Gladys hetzt Paul auf Justine und James auf Archer. Justine erschießt Paul und James mit Pauls Dienstwaffe. Durch einen Anhänger erlangt Gladys Macht über Archer und hetzt ihn auf Justine.
Alex übertritt die Salzlinie und wird von seinen Eltern gejagt. Er kann jedoch in Gladys‘ Abwesenheit in ihr Zimmer gelangen und benutzt ihre Haare für ein Blutritual. Die Kinder jagen daraufhin Gladys durch die Gärten und zerfleischen sie. Als Gladys stirbt, bricht jeder Gewaltbann. Nur die Personen, aus denen sie die Lebensenergie konsumiert hat, verbleiben in einem katatonischen Zustand, aus dem sie sich, wenn überhaupt, nur langsam erholen. Alex zieht zu einer Tante.
Q&A
Wer ist Gladys?
Gladys scheint ein altes nicht-menschliches Wesen oder eine Hexe zu sein. Sie stellt sich Marcus gegenüber als "I’m Alex’s Aunt. His mother is my sister" vor, ein andermal wird sie als die Tante der Mutter von Alex bezeichnet. Alex' Eltern haben sie seit 15 Jahren nicht gesehen, und doch sagt sie zu Alex, dass sie ihn nicht mehr gesehen habe, seit er ein Baby war. Alex ist noch keine 15 Jahre alt, was es eher wahrscheinlich macht, dass Gladys nicht mit der Familie Lilly blutsverwandt ist, sondern sich mittels ihrer magischen Kräfte Zutritt verschafft hat. Wir sehen, dass es ihr gelingt, die Träume der Menschen zu manipulieren. Möglicherweise hat sie sogar Einfluss darauf, dass die Polizei so schlecht ermittelt.
Wie alt ist Gladys?
Der Film gibt darauf keine direkte Antwort, aber kleine Hinweise. Sie benutzt im englischen Original den Begriff "consumption" für Tuberkulose. Im der deutschen Synchro sagt sie "Schwindsucht". Die beiden Begriffe wurden etwa vom 17. Jahrhundert an bis in die späten Jahre des 19. Jahrhunderts benutzt.
Warum sieht Gladys im Laufe des Film so unterschiedlich aus?
Es liegt natürlich zum Teil an ihrem schrillen Makeup und der extravaganten Garderobe, aber wir sehen sie auch in unterschiedlichen Phasen ihrer "Ernährung", die wir beispielsweise anhand ihrer Haare beobachten können. Als sie bei den Lillys einzieht, ist sie komplett kahl, aber im Laufe der Zeit wachsen ihr lange Haare, die ihr später zum Verhängnis werden. Aber der Verlauf ist nicht geradlinig. Nachdem Gladys feststellen muss, dass Alex' Eltern ihr nicht ausreichen, wird sie wieder krank, bis sie die Kinder in ihren Bann ziehen kann.
Interessant ist auch, dass Gladys häufig eine Brosche mit Blumenmotiv am Revers trägt. Diese bildet ihren Zustand ab, mal ist die Blume geschlossen, mal geöffnet.
Warum laufen die besessenen Menschen mit seltsam ausgestreckten Armen?
Im Drehbuch vergleicht Zack Cregger diese Haltung mit der Vietnamesin Phan Thị Kim Phúc, die in dem berühmten Foto "The Terror of War" als Neunjährige vor den Napalm-Angriffen floh. Ein andermal ist davon die Rede, dass es so aussieht, als hätten die Menschen auf beiden Seiten schwere Koffer zu tragen.
Die Zuschauer erinnert die Haltung natürlich auch an den Naruto-Lauf oder vielleicht sogar Kinder, die Flugzeug spielen beziehungsweise eine Lenkrakete. Dieser Bezug steht auch im Einklang mit dem Filmtitel, da die Menschen, die so laufen, als Waffen eingesetzt werden.
Was hat es mit der Zahl 217 auf sich?
Diese Zahl wird immer wieder gezeigt, häufig auf einem Wecker oder einer Uhr, aber auch auf dem Lauf eines riesigen Sturmgewehres in AR-15-Bauweise, welches Archer in seinem Traum von Matthew über seinem Haus sieht.
Interessanterweise stimmt die Zahl mit der Anzahl der Stimmen in einer Wahl zum Verbot von Sturmgewehren 2022 überein.
Im Matthäus-Evangelium ist in den Versen 2:16, 2:17, und 2:18 der von Herodes befohlene Mord an allen Knaben in Bethlehem beschrieben. Da Archers Sohn Matthew heißt, ist das nicht sehr weit hergeholt.
Cregger selbst hat sich jedoch dahingehend geäußert, dass die Zahl lediglich eine Hommage an den Raum 217 des Overlook Hotels aus Stephen Kings "Shining" ist.
Worum geht es in Weapons?
Die Traumsequenz mit dem Sturmgewehr legt einen Zusammenhang mit Amokläufen an Schulen nahe, aber Cregger versicherte, keine politischen Statements mit seinem Film machen zu wollen. Das Bild mit dem Sturmgewehr sei ihm während einer transzendentalen Meditation in den Kopf gekommen, und er habe es eingebaut, ohne zu wissen, was es bedeute.
Er sagt weiter, dass er angefangen habe, das Drehbuch zu schreiben, um den plötzlichen Tod seines engen Freundes Trevor Moore zu verarbeiten. Meines Erachtens geht es im Film jedoch zum großen Teil um Süchte. Justine und Paul sind alkoholsüchtig, James ist ein Junkie, Marcus wird ständig beim Essen gezeigt, und Alex muss seine Eltern versorgen, ganz wie es häufig den Kindern alkohol- oder drogenabhängiger Eltern ergeht. Cregger macht klar, dass es in seinem Film explizit nicht um Trauma oder Trauer gehen soll.
Welche Referenzen auf andere Werke gibt es?
Shining: Die Zahl 217 ist ein Bezug auf Zimmer 217 des Overlook Hotels. Eine weitere Parallele zu Shining ist eine Szene, in der Alex‘ Mutter aggressiv ihren Kopf durch die zerbrochene Tür des Badezimmers steckt.
Magnolia: Magnolia hatte Einfluss auf die Erzählweise in Kapiteln. Das Aussehen der Figur Paul wurde stark an die Figur von John C. Reilly in Magnolia angelehnt.
Es: Möglicherweise ist Gladys' Makeup und der Eindruck, dass sie die ganze Stadt unter ihrer Kontrolle hält, eine Anspielung auf diese Geschichte von Stephen King.
Ego-Shooters: Im Filmtitel erscheint ein Dreieck im O von Weapons. Das könnte ein Hinweis auf die Taste zum Waffenwechsel auf Playstation-kompatiblen Controllern sein, auf denen es Kreis- und Dreieck-Symbole gibt.
Interessantes
Während der Film Szenen aus der Perspektive verschiedener Figuren wiederholt, gibt es kleine Veränderungen, die nicht unbedingt auffallen, aber auch so im Drehbuch stehen. So heißt es beispielsweise auf Seite 16 aus Justines Sicht "Across the lot she sees ANOTHER OFFICER, PAUL (30s, Large) getting into his squad car. They LOCK EYES and share a loaded beat. He WAVES AWKWARDLY. She half waves back."
Aus Pauls Sicht (Seite 49) sieht es so aus: "She clocks him and they share a loaded moment. Paul half
waves and she gives the slightest nod of acknowledgement." Normalerweise deuten solche Unterschiede auf unzuverlässiges Erzählen hin. In Weapons sind sie jedoch kaum wahrnehmbar, daher weiß ich nicht, was sie bedeuten.
Laut Cregger ist jede Figur in Weapons an seine unterschiedlichen Emotionen während der Trauer um seinen engen Freund Trevor Moore angelehnt.
Unterschiede zwischen Drehbuch und Film
In einem geleakten Drehbuch sind einige Namen verändert, und Marcus ist mit einer Frau namens Ginny verheiratet, nicht mit einem Mann namens Terry.
Außerdem sehen wir die typische Laufpose im Buch häufiger, während sich die Figuren im Film unter dem Bann auch in anderen merkwürdigen Posen bewegen, wie zum Beispiel Alex' Mutter, als sie Justine die Haare abschneidet.
Im Film wurde das Parasitenthema expliziter aufgegriffen (z.B. mit dem Cordyceps-Pilz, der eine Hommage an The Last of Us darstellt), während im Buch nur über einen Bandwurm gesprochen wird.
Im Buch schneidet sich Gladys für das Ritual mit einer Rasierklinge in die Hand und Alex beißt sich selbst in die Hand, um Blut zu bekommen. Im Film wird immer ein Dorn des Ritualzweiges verwendet.
Im Buch streicht Gladys Marcus und Archer mit ihrem eigenen Blut über das Gesicht. Das ist im Film kein Teil des Rituals.
Marcus tötet seine Frau Ginny im Buch durch Erwürgen, im Film tötet er seinen Mann Terry durch Einschlagen des Schädels mit seinem eigenen Schädel.
Im Film stiehlt Alex die Namensschilder seiner Mitschüler*innen, im Drehbuch bekommt er Valentinskarten, die Gladys verwendet.
Statt eines Gemüseschälers wie im Film kommt im Buch eine Käsereibe zum Einsatz, die sehr an Evil Dead Rise erinnert.
Das Drehbuch enthält nicht die Sequenz, in der James immer wieder schreiend auf Archer losgeht.
Im Drehbuch gelingt es Alex, dass seine Eltern im Bann der Magie gegeneinander kämpfen, im Film muss er sie geschickt ausmanövrieren, um in Gladys' Zimmer zu gelangen.
Im Buch benutzt Alex für den Angriff der Kinder auf Gladys ihre Perücke, im Film ist dies durch Gladys' nachwachsende Haare gelöst.
Im Drehbuch gibt es kein Voiceover zum Schluss, daher ist das Ende sehr viel verstörender, denn alle, die unter Gladys' Kontrolle waren, werden sich nie mehr erholen.
Witzige Szenen
Als Justine, von Marcus verfolgt, aus dem Laden läuft, ruft ihr der Verkäufer „Get the fuck out of my store!“ zu. Justine antwortet fassungslos „Fucking help me!“
Als James in das Haus der Lillys einbricht, ist er begeistert davon, eine DVD von Willow zu finden, der thematisch passt, aber als ziemlich schlechter Film gilt.
Als Archer aus seinem Alptraum erwacht, sagt er realistisch „What the fuck!“
Archer schlägt zigmal auf den ihn attackierenden James ein, der immer wieder kurz liegenbleibt, dann aber schreiend weiter attackiert, bis er von Justine erschossen wird.
Die Szene, in der Gladys von den Kindern durch die Gärten verfolgt wird, ist slapstickartig.
Als Gladys verfolgt wird, sagt eine Nachbarin: „Da ist ein fremder Mann in unserem Haus!“, obwohl schon ein Dutzend Menschen durch ihr Haus gerannt und durchs Fenster gesprungen sind.